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Schweizer Wirtschaft 2025: Mehr Konkurse und Rekord bei Neugründungen — was wirklich geschieht
Kurz gesagt. 2025 sind die Firmenkonkurse in der Schweiz gegenüber 2024 um über 18% gestiegen, mit noch höheren Spitzen in einigen Branchen und Kantonen. Gleichzeitig erreichten die Neugründungen mit 55'654 neuen Gesellschaften einen historischen Rekord. Das Paradox erklärt sich durch ein Bündel von Faktoren: konjunkturelle Schwierigkeiten, das Ende der Effekte der COVID-Massnahmen und — ein häufig übersehener Schlüsselfaktor — eine am 1. Januar 2025 in Kraft getretene Änderung des Konkursrechts.
Die Konkurszahlen 2025
Die von kmu.admin.ch publizierten Daten von Dun & Bradstreet zeigen eine klare Beschleunigung: Die Firmenkonkurse lagen 2025 bei rund 9'314, ein Anstieg um 18,6% gegenüber 7'856 im 2024. Creditreform meldete für die ersten 11 Monate einen noch markanteren Anstieg von rund 36,4% im Jahresvergleich.
Zur Einordnung: Bau, Gastronomie und Detailhandel sind die drei Branchen mit den meisten absoluten Konkursen im 2025. Allein im zweiten Quartal verzeichnete die Gastronomie ein Plus von +55% gegenüber dem Vorjahresquartal, der Bau +17,8%, der Detailhandel +16,8%.
Auf Kantonsebene wiesen Wallis (+65%) und St. Gallen (+59%) die stärksten prozentualen Anstiege auf. Das Tessin gehört zu den am wenigsten betroffenen Kantonen mit einer leicht negativen Veränderung (-2%) — auch Ausdruck einer breiter aufgestellten Wirtschaftsstruktur und des Tessiner KMU-Gefüges.
Die wenig bekannte Ursache: die Konkursrechtsrevision 2025
Unter den Ursachen ist eine technisch und wird in der öffentlichen Debatte häufig ignoriert, hatte aber eine sehr konkrete Wirkung: die am 1. Januar 2025 in Kraft getretene Änderung des Konkursrechts.
Bis zu diesem Datum konnten Steuerschulden der im Handelsregister eingetragenen Unternehmen von der Steuerbehörde ausschliesslich über das Pfändungsverfahren eingetrieben werden. Ab 2025 können sie direkt im Konkursverfahren geltend gemacht werden. Dies setzte viele Unternehmen mit Steuerrückständen Verfahren aus, die zuvor nicht eingeleitet worden wären. Ein bedeutender Teil des Konkursanstiegs ist auf diese rechtliche Änderung zurückzuführen, nicht nur auf reale wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Eine wichtige Unterscheidung: Nicht alle Konkurse 2025 sind das Signal eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs; manche sind die Formalisierung bereits bestehender Schuldensituationen, die das neue Gesetz leichter ans Licht brachte.
Die anderen Ursachen: COVID, Konjunktur, starker Franken
Zusätzlich zur Rechtsänderung wirken weitere strukturelle und konjunkturelle Faktoren:
- Ende der COVID-Massnahmen: Unternehmen, die die Pandemie dank zinsloser COVID-Kredite überlebt haben, müssen diese nun zurückzahlen (Frist 2028) und sich dem Markt ohne Schutz stellen. Einige, die schon vor der Pandemie in Schwierigkeiten waren, kommen erst jetzt zum Vorschein.
- Konjunkturelle Schwierigkeiten: Das Wachstum der Schweiz 2025 wird auf rund 1,3-1,4% geschätzt (reales BIP, Quelle Pictet/Raiffeisen), keine Rezession, aber auch keine kräftige Expansion. Exporte durch die Frankenstärke gebremst.
- Starker Schweizer Franken: Der EUR/CHF-Kurs hat sich auf Niveaus gehalten, die Exporteure belasten, wobei der Franken nach Paritätsmassstäben historisch überbewertet bleibt.
- Zinsen und Personalkosten: Die SNB hat den Leitzins im September 2025 wieder auf 0% gebracht, doch die Personalkosten blieben für KMU hoch, die Mühe haben, Mitarbeitende zu finden und zu halten.
Das Paradox: Rekord bei Neugründungen trotz steigender Konkurse
Während die Konkurse stiegen, erreichten die Unternehmensgründungen im Jahr 2025 einen historischen Rekord: Laut dem von kmu.admin.ch zitierten Institut für Jungunternehmen (IFJ) waren es 55'654 neu im Handelsregister eingetragene Gesellschaften, ein Plus von 5,1% gegenüber 52'978 im 2024.
Die dynamischsten Branchen für Neugründungen waren Handwerk (5'829 neue Gesellschaften), Beratung (5'733), Immobilien (5'235) und Architektur/Ingenieurwesen (4'284).
Wie passen die beiden Phänomene zusammen? Die Antwort von Dun & Bradstreet ist klar: Es ist normal, dass mehr Unternehmen entstehen und mehr scheitern. Bei hoher Gründungsrate folgt typischerweise auch die Konkursrate — die vor allem junge Unternehmen in den ersten Jahren betrifft. Es ist ein Zeichen wirtschaftlicher Dynamik, keine Krise. Das nimmt die Sorgen für spezifisch betroffene Branchen nicht weg, ordnet das Phänomen aber korrekt ein.
In historischer Perspektive liegen die Neugründungen 2025 34,7% höher als vor 10 Jahren: Die Schweiz ist unternehmerischer geworden, nicht weniger.
Die Schweizer Konjunktur 2025-2026
Das Makrobild zeigt moderate Stabilität, keine Krise:
- Reales BIP 2025: geschätztes Wachstum um 1,3-1,4% (Pictet, Raiffeisen).
- Inflation: 0,7% im Jahresdurchschnitt 2025, gedämpft durch die Frankenstärke.
- SNB-Zins: im September 2025 auf 0% gebracht, nach den schrittweisen Senkungen 2024-2025.
- Aussichten 2026: schwaches Wachstum, mit Abwärtsrisiken durch US-Zölle auf Schweizer Exporte und geopolitische Unsicherheit.
Wir sind nicht in einer Rezession, aber auch nicht in einer robusten Expansion. Für KMU in exponierten Branchen (Exporteure, Bau, Gastronomie) erfordert das Umfeld Aufmerksamkeit.
Was ein KMU zum Schutz tun kann
Die von BDO und kmu.admin.ch empfohlenen Massnahmen, um das Insolvenzrisiko zu senken:
Liquidität und Forderungen:
- Forderungen zeitnah eintreiben: Schuldner unverzüglich kontaktieren und Inkassoverfahren einleiten.
- Cashflow laufend überwachen, mit 30-60-90-Tage-Prognosen.
Controlling und Buchhaltung:
- Defizitäre Tätigkeiten oder Produkte/Dienstleistungen identifizieren, deren Kosten den Ertrag übersteigen.
- Eine aktuelle Buchhaltung führen, die die Finanzlage in Echtzeit zeigt, nicht erst am Jahresende.
Beziehungen zu Gläubigern:
- Schwierigkeiten frühzeitig Lieferanten und Banken mitteilen: Wer transparent ist, findet eher Verhandlungsbereitschaft.
- Gestaffelte Fakturierung, Verlängerungen oder Neuverhandlungen rechtzeitig beantragen, bevor die Lage kritisch wird.
Rechtliche Aspekte:
- Bei Überschuldung verpflichtet das Schweizer Recht zur unverzüglichen Benachrichtigung des Richters. Verzögerungen begründen zivil- und in schweren Fällen strafrechtliche Verantwortlichkeit. Die Nachlassstundung ist ein Instrument, das der Sanierung Luft verschaffen kann — sie ist jedoch vor dem Zusammenbruch zu beantragen, nicht danach.
Die Rolle des Treuhandbüros: finanzielles Frühwarnsystem
Für ein KMU ist die Begleitung durch ein Treuhandbüro nicht nur eine Compliance-Frage: Es ist der wirksamste Weg zu einem finanziellen Frühwarnsystem. Eine aktuelle, regelmässig analysierte Buchhaltung erlaubt es, Verschlechterungssignale frühzeitig zu erkennen — sinkende Margen, längere Inkassozeiten, steigende Lieferantenverbindlichkeiten — bevor sie zur Notlage werden.
Der Zeitpunkt zu handeln ist, wenn die Lage noch beherrschbar ist. Eingreifen, nachdem die Liquiditätskrise eingetreten ist, ist viel teurer und lässt weniger Optionen.
Wie wir Sie unterstützen
Fidav begleitet KMU im Tessin und in der Schweiz mit Buchhaltung und Controlling, die echte Sichtbarkeit auf die finanzielle Gesundheit geben, nicht nur den Jahresabschluss. Wir behalten Margen, Liquidität und Risikoindikatoren im Blick und sagen rechtzeitig Bescheid, wenn etwas nicht stimmt — bevor es zum Problem wird.
Vertiefen Sie unsere Buchhaltung und Finanzverwaltung und die Gesellschafts- und Strategieberatung für Unterstützung in komplexeren Lagen.
Möchten Sie einen Check der finanziellen Gesundheit Ihres Unternehmens? Schreiben Sie uns auf WhatsApp an +41 79 741 02 89 oder rufen Sie +41 91 640 40 20 an.
FAQ (auf der Seite + FAQPage-Schema oben sichtbar)
Wie viele Konkurse gab es 2025 in der Schweiz? Laut von kmu.admin.ch zitierten Dun & Bradstreet-Daten lagen die Firmenkonkurse in der Schweiz 2025 bei rund 9'314, ein Plus von 18,6% gegenüber 7'856 im 2024. In den ersten 11 Monaten 2025 fiel der Anstieg mit rund 36% noch markanter aus. Hauptursachen sind eine neue Konkursrechtsregelung seit dem 1. Januar 2025, konjunkturelle Schwierigkeiten und das Ende der Effekte der COVID-Massnahmen.
Welche Branchen hatten 2025 in der Schweiz die meisten Konkurse? Am stärksten betroffen waren 2025 der Bau, die Gastronomie (+55% im Q2) und der Detailhandel. Unter den Kantonen verzeichneten Wallis (+65%) und St. Gallen (+59%) die markantesten Anstiege. Das Tessin gehörte mit einer leicht negativen Veränderung zu den am wenigsten betroffenen Kantonen.
Warum sind die Konkurse gerade 2025 gestiegen? Eine spezifische Ursache ist die am 1. Januar 2025 in Kraft getretene Konkursrechtsrevision: Seither können Steuerschulden der im Handelsregister eingetragenen Unternehmen direkt im Konkursverfahren geltend gemacht werden, statt nur via Pfändung. Das setzte viele Unternehmen mit bestehenden Steuerrückständen Verfahren aus, die zuvor nicht eingeleitet worden wären.
Wie steht die Schweizer Konjunktur 2025-2026? Die Schweiz verzeichnete 2025 ein reales BIP-Wachstum von rund 1,3-1,4% bei einer Inflation von durchschnittlich 0,7%. Die SNB brachte den Leitzins im September 2025 auf 0%. Die Aussichten für 2026 deuten auf schwaches Wachstum hin, mit Risiken durch US-Zölle und geopolitische Unsicherheit.
Was kann ein KMU tun, um das Insolvenzrisiko zu senken? Die wirksamsten Massnahmen sind: proaktives Liquiditätsmanagement, präzises Controlling, transparente Kommunikation mit den Gläubigern bei Schwierigkeiten und ein treuhänderischer Partner, der Verschlechterungssignale frühzeitig erkennt. Das Schweizer Recht verlangt bei Überschuldung die unverzügliche Benachrichtigung des Richters: Verzögerungen begründen zivil- und strafrechtliche Verantwortlichkeit.
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